An drei Samstagmorgen weihte Christoph Lowis, Organist an der evangelischen Stadtkirche Frauenfeld, nicht weniger als 16 Organistinnen und Organisten von Oberneunforn bis Salmsach an der herrlichen Metzler-Orgel in die Künste der Begleitung von «Rückenwind»-Liedern ein.

Bereits am ersten Morgen gelang es Lowis, selbst skeptische Gemüter durch zwei professionelle Darbietungen von Rückenwind-Liedern davon zu überzeugen, dass unser Instrument entgegen allen Unkenrufen sehr wohl zur Begleitung der meisten «Rückenwind»-Lieder hervorragend geeignet ist. Ausgehend von Darbietungen durch kühne Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer führte uns Lowis schrittweise in die Grundlagen der Liedbegleitung ein: Zum Beispiel könne das Pedal eine rhythmische Begleitband ersetzen, ein üppig registriertes Rückpositiv (evtl. mit Sesquialtera) die Stimmführung übernehmen und das mit sanften Flötenstimmen registrierte Hauptwerk einen sanften Harmoniehintergrund bieten. Trotz diesem praktischen Ausgangspunkt vermittelte uns Lowis auch die wichtigsten theoretischen Grundlagen der Harmonisierung sowie kreative Begleit-Patterns und stellte diese kurz und bündig in Form von äusserst nützlichen Unterrichtsmaterialien zusammen.   

Ganz im Sinne der modernen Pädagogik (Personalisierung und selbstgesteuertes Lernen) wurden wir dazu aufgefordert, für den zweiten und dritten Unterrichtsmorgen individuell Stücke vorzubereiten. Manche entschieden sich dabei für ihre Lieblingsstücke, andere für Stücke, die ihnen schon immer Kopfzerbrechen oder gar Lampenfieber bereitet hatten. Behutsam und mit einer Prise Humor entwickelte Lowis die anfänglich oft noch nicht über alle Zweifel erhabenen Interpretationen zusammen mit den Musizierenden weiter. Viele musikalische Knackpunkte, wie beispielsweise die Gestaltung einer passenden Intonation oder die musikalische Überbrückung von langen Pausen, konnten im Rahmen dieser Unterrichtsform überwunden werden. Bei alledem trat Lowis nie doktrinär auf, sondern stets inspirierend und machte selbst dem Verfasser dieser Zeilen klar, dass das kompetente Begleiten von «Rückenwind»-Liedern nicht eine unvermeidliche Pflicht, sondern vielmehr eine ausserordentlich bereichernde und beglückende Fähigkeit sein kann.

Der von Lowis kompetent geleitete Kurs hat die Bedeutung unseres einzigartigen Instrumentes für die Mitgestaltung von populärem Liedgut verdeutlicht. Die Königin der Instrumente darf dieses spannende Feld nicht ihren aus meiner Sicht unattraktiven Brüdern, dem E-Piano oder gar dem CD-Player, überlassen. Ein weiterer Segen dieses Kurses mag darin bestehen, dass die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher von mindestens 16 Thurgauer Kirchgemeinden künftig nicht durch holprig spielende Organistinnen und Organisten, sondern vor allem durch anspruchsvolle «Rückenwind»-Lieder herausgefordert werden. So bleibt es zu hoffen, dass sich Lowis von einer Neuauflage und/oder Weiterführung dieses erfolgreichen Kurses überzeugen lässt.

Daniel Engeli, Romanshorn-Salmsach