Berichte

An einem stürmischen Sonntagabend im November kam ein Dutzend Interessierte in die Evangelische Stadtkirche Frauenfeld. Auf der Orgelempore haben wir uns versammelt, um dem Thema «Tod und Ewigkeit» in der Orgelliteratur ein wenig nachzuspüren.

So konnte ich den Teilnehmern des Orgelstamms einige ganz konkrete Literaturbeispiele an die Hand geben, die für das Orgelspiel am Ewigkeitssonntag oder auch an Abdankungen in frage kommen.

Geleitet hatten mich bei der Frage nach der Literaturauswahl vor allem Texte von Chorälen – zunächst einmal springen zu diesem Thema vielleicht nur wenige ins Auge, aber wenn man die Choraltexte zu denen es Orgelbearbeitungen gibt, einmal genau durchliesst, vor allem auch die, die nicht mehr im Gesangbuch stehen, kann man entdecken, das Tod und Ewigkeit ein häufiges Thema sind.

Immer wieder haben wir gemeinsam Überlegungen zur Registrierung diskutiert, vor allem, wenn es darum ging, Werke aus der Romantik, wie z.B. von Johannes Brahms auf einer neobarocken Orgel wie in Frauenfeld darzustellen. Welche Tricks gibt es? Wie kann ich das Schwellwerk einsetzen, wie kann ich mittels Oktavierungen zu überraschenden Ergebnissen kommen?

Anschliessend an den musikalischen Teil wurden die Diskussionen im geselligen Rahmen in der Pizzeria fortgeführt.

Christoph Lowis

Orgelfahrt vom 30. September 2017 nach Männedorf und Zürich

Zunächst besichtgten wir die im Jahr 1864 gegründete traditonsreiche Orgelbaufirma Kuhn in Männedorf. Im Anschluss besuchten wir zwei Instrumente aus dem Hause Kuhn: die ehemalige Zürcher Tonhalle-Orgel, die nun im Neumünster in Zürich steht (III/52) sowie die fast original erhaltene Orgel aus dem Jahr 1914 in St. Anton (III/50), ebenfalls in Zürich. Die Orgeln wurden uns von Anna-Victoria Baltrusch und Heinz Specker vorgeführt.

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An drei Samstagvormittagen trafen wir uns zu zweit (einmal zu dritt) in der katholischen Kirche Weinfelden mit unserem Kursleiter Simon Menges zum Improvisationskurs.

Simon stellte den Choral "Was Gott tut das ist wohlgetan" ins Zentrum des Kurses. Es galt, aus dem ersten Melodieteil ein Motiv zu finden und daraus eine einstimmige Intonation oder ein längeres Vorspiel zu improvisieren.

Simon zeigte uns, wie wichtig Pausen und Sequenzen sind, wie wir in eine andere Tonart modulieren und den Weg zurück wieder finden können. Das einstimmige Spiel ist gar nicht so einfach!

Die nächste Aufgabe war, den cantus firmus in die linke Hand zu übernehmen und dazu mit der rechten Hand auf einem andern Manual eine Gegenstimme, vorwiegend in Terzen oder Sexten, zu finden. Dabei spielten wir zuerst Ton gegen Ton, dann zwei zu eins und vier zu eins. Dies alles zu üben war die Wochen-Hausaufgabe, inklusive einstimmiges Zwischenspiel zwischen den beiden Choralteilen. Dieses sollte auf einem Motiv des zweiten Melodieteils aufgebaut sein.

Am zweiten Kursmorgen wurde die Bass-Stimme des Gesangbuch-Chorals in die linke Hand und der cantus firmus ins Pedal mit 4’ Register genommen. Dann war eine freie Gegenstimme zum Pedal-c.f. gefragt, wozu uns Simon viele Möglichkeiten zeigte, diese interessant zu gestalten. Dies verlangte einige Hirnakrobatik und wurde zur Hausaufgabe.

Am dritten Morgen versuchten wir, die Bass-Stimme reicher zu gestalten mit Durchgängen, Chromatik und Oktavsprüngen. Simon zeigte uns weitere Sequenzen und Kadenzen und gab uns Beispiele für Trios.

Wir Orgelschüler haben viel Neues entdeckt, um weiter zu üben und unsere Spielmöglichkeiten zu erweitern. Es war interessant zu erfahren, wie verschieden wir an die Aufgaben gingen: vom analytischen Verstehen oder eher vom Voraushören her. Beide

Fähigkeiten sind beim Improvisieren gefragt.

Simon sei herzlich gedankt für sein geduldiges, gut strukturiertes Unterrichten, aber auch für sein gekonntes Vorspielen und für die feinen Gipfeli, die wir jeweils in der Pause im Kirchgemeindehaus geniessen durften. Bei einem Kaffee konnten wir uns aufwärmen und unsere Erfahrungen als aktive Organisten austauschen.

Esther Romann

Zwischen Juni und Oktober 2016 besuchte eine ansehnliche Schar Organistinnen und Organisten den Improvisationskurs von ThOV und KKVT.

Um es vorweg zu nehmen: es waren mindestens 101 nützliche Tipps die wir vom Kursleiter Thomas Haubrich mit auf den Weg bekamen! Vorausgesetzt, man besuchte lückenlos alle 10 Kurseinheiten. Es musste also eine stattliche Anzahl Samstag-Nachmittage «geopfert» werden. Die Alternativen waren offenbar verlockend: ein sonniger freier Tag am See bzw. in den Bergen oder gar ein Fussballspiel der Europameisterschaft 2016? Zahlreiche Versuchungen waren wohl verantwortlich dafür, dass die Zusammensetzung der Kursteilnehmenden von Samstag zu Samstag sehr dynamisch war.

Improvisation ist ein Thema, das Ängste auslösen kann. Angst vor dem Scheitern, Angst vor der Blamage, dem Blackout, dem Dilettantismus, der Kritik. Aber schon zu Beginn verstand es Thomas Haubrich, unsere Bedenken zu relativieren und zu zerstreuen. Bis zur meisterhaften freien Improvisation wäre es natürlich ein weiter Weg. Doch darum ging es gar nicht in diesem Kurs.

In winzigen Schritten lösten wir uns vom Gerüst des vierstimmigen Chorals und lernten, eigene Ideen und Harmonien in die vorgegebene Melodie einzuflechten. In einem ersten Schritt durch eine ungewohnte Registrierung. Dann durch Umlegen der Sopranstimme (Cantus firmus) auf ein anderes Manual mit entsprechender Soloregistrierung. In einem weiteren Schritt lockerten Alt und Tenor abwechselnd und fast tänzerisch die durch Sopran und Bass dominierten Akkorde auf. Motto: wir basteln uns ein Trio.

Später entwickelten wir den Choral weiter zu einer Suite mit den Teilen Plein jeu - Récit - Gand jeu. Dann erfuhren wir, dass es Choräle gibt, die sich besonders gut für eine Improvisation über einer Quintfallsequenz eignen. Der Begriff mag etwas hochgestochen klingen, die Methode ist jedoch ziemlich einfach. Und beim Publikum sehr wirkungsvoll. Ebenfalls gute Effekte können erzielt werden, indem man einen Choral mit einem freien Orgelwerk mischt. Vorausgesetzt Tonart und Takt passen, kann man zum Beispiel ein kleines Präludium von Bach mit dem von der Gemeinde gesungenen Schlusschoral verweben und schon hat man ein Ausgangsspiel, das so in keinem Notenheft zu finden ist.

Solche Anwendungsbeispiele gibt es zuhauf. Frischen Wind bei den sattsam bekannten Intonationen zum Gemeindegesang. Etwas Abwechslung bei der Begleitung der zweiten oder dritten Strophe. Oder die in England sehr verbreitete «last verse harmony» welche nicht nur bei «Grosser Gott wir loben dich» für Gänsehaut sorgen dürfte. Oder eine Choralbearbeitung Marke «Eigenbau» zu Kommunion oder Abendmahl.

Einen unerwarteten aber sehr angenehmen Nebeneffekt hatte dieser abwechslungsreiche und spannende Kurs für mich persönlich: ich spiele jetzt viel entspannter ab Noten. Ich nehme mir mehr Freiheiten und fürchte mich nicht mehr so sehr vor Fehlern. Denn ob's ein Fehler war, erweist sich bekanntlich erst beim darauffolgenden Ton. Mit der Improvisation habe ich das Werkzeug in der Hand, die Zuhörenden glauben zu lassen der Fehler sei Absicht gewesen.

Herzlichen Dank an Thomas Haubrich für seine versierte aber auch sehr humorvolle Gestaltung des Kurses. Ich habe sehr viel gelernt und meine anfänglichen Bedenken überfordert zu sein waren sehr schnell verflogen. Eine solche Impuls- und Austauschveranstaltung würde ich mir regelmässig wünschen.

Christof Rimle

Ein Kurs für alle Organistinnen und Organisten mit dem Thurgauischen Organistenausweis oder ähnlicher Ausbildung wurde dieses Jahr zum zweiten Mal angeboten.

25. Februar 2012. Das jüngste Angebot des THOV lässt aufhorchen: der Verband bietet vergünstigte Orgel-Schnupperstunden an.

27. Februar 2010. Es ist bereits Tradition, dass die Jahresversammlung der Thurgauer Organisten jeweils an einem Samstag Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein und guter Fernsicht stattfindet.

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